Im 200-m-Finale der Leichtathletik-WM vermieste Ramil Guliyev Wayde van Niekerk die Show. Der Südafrikaner hatte einen Doppelsieg über die 400m und 200m angepeilt.

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Pure Freude bei 200-m-Sieger Ramil Guliyev (GLYN KIRK/AFP/Getty Images)

Völlig überrascht von seinem eigenen Sieg weinte Guliyev Freudentränen. Der Türke ging wie alle Goldmedaillengewinner zu seinen Trainern, Freunden und Familienmitgliedern, die in der Regel eine Landesflagge für die Ehrenrunde parat haben.

Naheliegend wäre bei Guliyev natürlich die türkische Flagge, docht 2008 startete er bei Olympia noch für sein Geburtsland Aserbaidschan.

Flaggenchaos bei Guliyev

Obwohl Guliyev für mehr Förderung im Sport in die Türkei “gewechselt” ist, nahm er sich daher zuerst die aserbaidschanische Flagge.

Er posierte und hing sich die Flagge um den Hals. Eine Art Ritual um, sich selbst treu zu bleiben? Wenig später nahm er sich dann doch noch der türkischen Flagge an.

Türke Ramil Guliyev bindet sich nach 200-m-Sieg aserbaidschanische Flagge um (ANDREJ ISAKOVIC/AFP/Getty Images)

Bei der Frage ob es nicht seltam für ihn sei nach seinem Start bei Olympia 2008 für Aserbaidschan für die Türkei Weltmeister zu werden, antwortete Guliyev kurz: “Ich lebe in der Türkei, ich starte für die Türkei.”

So sieht das auch Recep Erdogan. Der türkische Präsident war sichtlich erfreut über den Erfolg: “Ich beglückwünsche Ramil Guliyev, denn er hat uns alle so stolz gemacht.”

Alternative zu Doping: Einbürgerung

Für seine Tätigkeit für den türkischen Arbeitgeber, der ihn dem Nachbarland quasi abgekauft hat, lässt er sich fürstlich entlohnen.

Mit Guliyevs London-Gold hat sich das Konzept der Türken nun erstmals richtig ausgezahlt.

Deren Verband hatte sich jüngst durch die Reihen finanzschwächerer Nationen “geshoppt”, vorzugsweise Kenianer, Kubaner und Jamaikaner für gutes Geld an den Bosporus geholt.

Zwar keine absoluten Topstars, aber dennoch Qualität: Bei der EM 2016 räumte die Türken zwölfmal Edelmetall ab – nur zwei Medaillengewinner waren in der Türkei geboren.

In London ist die Türkei mit vier gebürtigen Kenianern am Start, zwei Jamaikanern, einem Äthiopier, einem Kubaner und dem Aserbaidschaner Guliyev.

IAAF mit Suche nach Lösungsweg

Das “Länder-Hopping” und die damit verbundenen Ablösesummen an ärmere Verbänden sind dem Weltverband IAAF ein Dorn im Auge.

“Wir müssen die Regeln strenger und transparenter machen”, sagte Präsident Sebastian Coe. Im November sollen neue Regelungen beschlossen werden, um die schlimmsten Auswüchse zu stoppen.

So darf sich die Türkei aber über ihr erstes WM-Gold freuen und hoffen, dass die Freude länger währt als bei den vermeintlichen Siegen vergangener Tage. Denn bevor die Türken auf Finanzkraft als Erfolgsbringer setzten, hatten es ihre Athleten mit Doping versucht.

2012 holten die 1500-m-Läuferinnen Asli Cakir Alptekin und Gamze Bulut überraschend Olympia-Gold und -Silber, weniger überraschend war die Disqualifikation infolge positiver Dopingtests. Süreyya Ayan, Europameisterin 2002 und WM-Zweite 2003 über 1500 m, ist mittlerweile lebenslang gesperrt.

Auch die zweimalige Hürden-Europameisterin Nevin Yanit wurde langfristig aus dem Verkehr gezogen. Immerhin: Sie alle hatte man nicht einbürgern müssen.

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